Wasser in Bewegung: Gletscherwasser aus den Alpen


Geschrieben von Katharina Selich

Glasklar und bedroht: Gletscherseen in den Alpen

Die Alpen sind voller Gletscher. Obwohl die eisigen Formationen jährlich an Masse verlieren, gibt es noch rund 5000 Alpengletscher – darunter den Aletschgletscher in der Schweiz, den Schneeferner in Deutschland und das Mer de Glace in Frankreich. Das unverkennbare Gebirge erstreckt sich von Nizza an der Côte d’Azur bis ins österreichische Wien über acht Länder. Gletscher aus den Alpen speisen nach dem Abschmelzen als Hauptquelle viele Gewässer, unter anderem Gletscherseen wie den Tollensesee und den Fluss Rhône. 

Die Alpen: Gletscherparadies im Wandel

Seit 25 Millionen Jahren existieren die Alpen. Das imposante Hochgebirge entstand, als Afrika und Europa aufeinander prallten. Von den 82 Gipfeln der Alpen liegt der höchste in Frankreich und Italien: der Mont Blanc mit 4809 Metern. Die erste Vergletscherung der Alpen fand vor 2,5 Millionen Jahren statt – und noch heute sind die Alpen voller Gletscher. In Tirol und Süddeutschland werden sie auch als Ferner bezeichnet, in der Schweiz als Firn und in Österreich als Kees. Wann wird aus einer ganz normalen Eisfläche ein Gletscher? Die United States Geological Survey (USGS) legt fest, dass er mindestens 30,5 Meter dick und mindestens 0,1 km² an Fläche haben muss. Und: Gletscher sind ständig in Bewegung. 

Gletscherseen und andere Gewässer

In den Alpen gibt es 4000 Seen, mehr als 95% von ihnen sind Gletscherseen. Durch die Erosionskraft der Gletscher bildeten sich Becken, die nach und nach mit Gletscherwasser gefüllt werden. Durch das Gletscherwasser werden die Seen aber nicht nur gefüllt – sie wachsen auch weiter. Gletscherwasser aus den Alpen fließt als Hauptquelle in den Fluss Po in Italien, in den Rhein in der Schweiz, in Liechtenstein, Österreich, Deutschland, Frankreich und den Niederlanden und in die Rhône in der Schweiz und Frankreich.

Mächtig und fragil: Alpengletscher in Bewegung

Gletscher sind eiszeitliche Wunder, die heute vom Aussterben bedroht sind, denn sie schmelzen schnell. Messungen zeigen, dass sie seit Jahren nicht mehr wie üblich jährlich wachsen oder abnehmen, sondern nur noch an Masse abnehmen. In den zwei Jahren 2022 und 2023 verloren sie so viel an Masse wie von 1960-1990. Eine große Gefahr für den Alpenraum, aber auch für die Gewässer, die das Gletscherwasser als Hauptquelle speist. 

Durch das Abschmelzen besteht die Gefahr, dass Gletscherseen auslaufen. So geschah es beispielsweise 2014 mit dem Faverge-Gletschersee im Berner Oberland, der heute nicht mehr existiert. Auch die Rhône, der Po und der Rhein werden bald vom Abschmelzen der Gletscher betroffen sein. Sobald kein Wasser mehr nachkommt – und erst mal wird viel kommen – trocknen diese Flüsse aus. 

Das Ausmaß der ökologischen und sozialpolitischen Folgen steht in den Sternen. 1,9 Milliarden Menschen würden von den Auswirkungen auf Trinkwasser und Wasserkraft betroffen sein.

Märchenhafte Gletscherseen in den Alpen

Sorapis See

Der Sorapis See liegt auf 1928 Metern Höhe in einem Felsen in den Belluneser Dolomiten und gilt als einer der schönsten Seen des Gebirges. Das Wasser füllt den See über einen Wasserfall, dessen Wasser unterirdisch zuläuft. Baden darf man hier seit 2019 nicht, aber ein Besuch des saphirblauen Sees und der umliegenden Natur lohnt sich. Seine Farbe verdankt der See dem Gletscherstaub, der das Sonnenlicht reflektiert.

Rifflsee

Oberhalb des Pitztals in Tirol thront der Rifflsee, der höchstgelegene Bergsee Österreichs, auf 2232 Metern. Er wird von drei umliegenden Gletschern gefüllt: vom Seekarlesferner, Löcherferner und Riffferner. Zum Schwimmen ist der See zu kalt, aber Floßfahrten werden angeboten.

Königssee

Die Berchtesgadener Alpen zählen zu den beliebtesten Urlaubsregionen in den Alpen. Hier liegt auch der berühmte Königssee, ein faszinierend blauer “Alpenfjord”. Sein Name kommt nicht von “König”, sondern wahrscheinlich vom Vornamen “Kuno”. Der Königssee ist aber älter als sein Name: Er entstand in der letzten Eiszeit aus einem Gletscher des Steinernen Meeres und einer Endmoräne.

Landschaften im Zeitraffer

An Schönheit sind die Alpen kaum zu übertreffen. Zugleich sind sie ein Raum voller Veränderungen. An Gletschern, Gletscherseen und Flüssen lassen sich die Folgen des Klimawandels wie im Zeitraffer erkennen. Wer die Alpen mit ihren imposanten Gletschern und märchenhaften Seen noch in ihrer heutigen Gestalt erleben möchte, sollte das jetzt tun. 

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