Die Nachlassplanung in Deutschland
Geschrieben und übersetzt von Katharina Selich für Enrich
Wenn Sie Ihren Wohnsitz in Deutschland haben, sollten Sie sich gut mit der Nachlassplanung auskennen. Das gilt vor allem dann, wenn Sie planen, sich in Deutschland zur Ruhe zu setzen. Sie sollten wissen, welche Erbschaftsgesetze für Ihre finanzielle Situation gelten und was sie für Ihre Erben und für Sie selbst bedeuten.
In diesem Artikel erfahren Sie, welche Gesetze Sie beachten sollten und wie Sie Ihren Nachlass in Deutschland erfolgreich planen.
Warum müssen Sie Ihren Nachlass planen?
In Deutschland gibt es viele Erbschaftsregelungen, die automatisch in Kraft treten, wenn Sie Ihr Erbe nicht planen. Es macht also Sinn, Ihren Nachlass gründlich zu planen. Wenn Sie kein Testament haben, ist beispielsweise im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) festgelegt, dass der Ehemann oder die Ehefrau und die Kinder des Verstorbenen als Erstes den Nachlass erben. Die Risiken von Rechtsstreitigkeiten werden gesenkt, wenn Sie vorausschauend planen und ein Testament schreiben. Letztlich sind Sie und alle Beteiligten dann entspannter.
Wie Sie Ihr Erbe planen
● Erteilen Sie einer Person eine Vollmacht, die in Ihrem Namen Entscheidungen treffen darf, wenn Sie dazu nicht mehr in der Lage sind.
● Verschenken Sie bereits zu Lebzeiten Teile Ihres Vermögens.
● Sprechen Sie mit Ihrer Familie und Ihren Freunden bzw. den Personen, die Ihre Erben werden, um sicherzugehen, dass Ihre Wünsche klar kommuniziert sind.
● Schreiben Sie Ihr Testament und aktualisieren Sie es laufend, wenn nötig.
● Beauftragen Sie einen Steuerberater, der Ihnen mit Ihrem Testament und anderen Fragen der Nachlassplanung hilft.
Die Bestandteile des Nachlasses
Ihr Nachlass in Deutschland umfasst den Wert all Ihrer Ersparnisse, Aktien, Ihres Eigentums und anderer wertvoller Gegenstände. Das ist Ihr Aktiv-Vermögen. Denken Sie daran, dass auch Schulden zum Nachlass gehören können, die als Passiv-Vermögen bezeichnet werden.
Wenn Sie der Erbe eines Nachlasses sind, empfehlen wir, einen Erbschein bei einem deutschen Nachlassgericht zu beantragen. Dieser Erbschein beweist, dass Sie der einzige Erbe oder einer der Erben eines bestimmten Nachlasses sind. Wenn Sie das anders beweisen können, brauchen Sie keinen Erbschein. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn es ein privates oder öffentliches Testament und ein gerichtliches Eröffnungsprotokoll gibt.
Testamente
Es ist in Deutschland keine Pflicht, ein Testament zu erstellen. Finanzfachleute und andere Fachleute in Deutschland werden Ihnen aber empfehlen, ein Testament zu schreiben. Wenn kein Testament vorliegt, gelten die im deutschen Bürgerlichen Gesetzbuch festgelegten Erbschaftsregeln, die bestimmen, was an Ihre Erben vererbt wird. Diese Erben bekommen dann einen Teil des Nachlasses.
Gibt es kein Testament, bestimmt das Erbrecht, wer dann Erbe eines abstrakten Anteils des Nachlasses wird. Ein Kind hat beispielsweise nach dem Tod eines Elternteils Anspruch auf 50 %. Sind zwei Kinder vorhanden, so erhalten beide 25 %. Wie die einzelnen Anteile letztlich verteilt werden, bleibt den Erben überlassen. Mit einem Testament wird klar festgelegt, wie das Erbe verteilt wird und wer was und in welchen Teilen bekommt. Dadurch sinkt das Risiko von Streitigkeiten zwischen den Erben erheblich.
Erbrecht
Das Erbrecht in Deutschland unterliegt dem Bundesrecht und wird daher in ganz Deutschland in gleicher Weise angewandt. Nach dem Erbrecht hat der Erbe nach dem Tod des Verstorbenen sofort Anspruch auf seinen Pflichtteil. Eventuelle Ansprüche können nur gegen einen oder mehrere Erben geltend gemacht werden, nicht aber gegen das Erbe selbst.
Erbschaftsteuer
In Deutschland müssen die Erben eine Erbschaftsteuer zahlen. Der Prozentsatz der Steuer, den Sie zahlen müssen, hängt davon ab, wie viel Sie erben. Je nachdem, in welchem Verhältnis der Erbe zum Verstorbenen steht, kann der Anteil zwischen 7 % und 50 % liegen.
Treuhandverhältnisse
Die Übertragung von Vermögenswerten im Sinne eines Treuhandverhältnisses ist in Deutschland grundsätzlich nicht zulässig. Im Falle eines Testaments kann die Treuhand jedoch als Vor- und Nacherbschaft, Dauertestamentsvollstreckung, Nießbrauch oder eine Kombination angesehen werden.
Sonderfall: Lebensversicherungen
Die Vererbung des Vermögens einer Lebensversicherung ist im Vertrag der Lebensversicherung geregelt. Erbe der Lebensversicherung ist die Person, die im Vertrag als Begünstigter genannt wird. Dies setzt allerdings voraus, dass der Erblasser einen Begünstigten benannt hat. Hat er dies nicht getan, wird die Lebensversicherung automatisch Teil des gesamten Nachlass.
Fazit
Wenn Sie in Deutschland leben und vor allem, wenn Sie erwägen, sich in Deutschland zur Ruhe zu setzen, sollten Sie Ihren Nachlass so früh wie möglich planen. Nicht nur, weil die Wahrscheinlichkeit von Rechtsstreitigkeiten zwischen Ihren Erben sich erheblich verringert, wenn ein Testament vorliegt, sondern auch, um sich selbst klar zu sein, wie Sie Ihren Nachlass verteilen möchten. Planen und verfassen Sie Ihr Testament sorgfältig (am besten mit Hilfe eines Steuerberaters), damit alles rechtmäßig ist.
Erreichen Sie finanzielle Sicherheit in Deutschland im Alter
Geschrieben und übersetzt von Katharina Selich für Enrich
Erwägen Sie einen Ruhestand in Deutschland? Der Eintritt in den Ruhestand kann ein herausforderndes Thema sein. Zum Glück sind wir hier, um Ihnen dabei zu helfen, sich optimal vorzubereiten.
Wichtig für Sie zu wissen ist, dass sich die Rente, die Sie erhalten, je nach Ihrer Beschäftigung stark unterscheidet. Ob Sie als Selbständiger, Angestellter oder Beamter in den Ruhestand gehen, hat Auswirkungen auf Ihre Rente und damit auf Ihre optimale Strategie. Als Beamter zum Beispiel ist Ihre Rentenlücke in der Regel kleiner als die eines Selbständigen oder Angestellten.
Wir möchten für Sie einen Blick darauf werfen, wie der Ruhestand in Deutschland strukturiert ist und wie Sie sich am besten, auch in Hinsicht auf Ihre aktuelle finanzielle Situation, vorbereiten können.
Ruhestand in Deutschland
Das Rentensystem in Deutschland basiert auf drei Säulen: der gesetzlichen Rentenversicherung, der Betrieblichen Altersvorsorge und der privaten Altersvorsorge. Als normaler Arbeitnehmer konzentrieren Sie sich in der Regel auf die beiden ersten Säulen, aber als Beamter erhalten Sie eine Pension, die im Prinzip eine Kombination aus den beiden ersten Säulen ist.
Die dritte Säule, die private Altersvorsorge, ist eine Möglichkeit, privat für die finanzielle Sicherheit zu sorgen. Es liegt bei Ihnen, ob Sie sie nutzen wollen. Generell wird in Deutschland von vielen Seiten empfohlen, in eine Version einer privaten Altersvorsorge zu investieren. Insbesondere, wenn Sie kein Beamter sind. So können Sie finanzielle Sicherheit im Ruhestand erreichen. Schauen wir uns nun jede dieser drei Säulen genauer an.
Die 3 Säulen des deutschen Rentensystems
Gesetzliche Rentenversicherung
Die gesetzliche Rentenversicherung basiert auf dem so genannten Umlageprinzip. Dieses Prinzip bedeutet im Wesentlichen, dass Sie und andere Erwerbstätige während Ihres Arbeitsverhältnisses in einen “Topf” einzahlen. Das Geld aus diesem “Topf” wird an die momentanen Rentner weitergegeben. Wenn Sie dann in Rente gehen, erhalten Sie das Geld aus dem aktuellen “Topf”, in den von der jüngeren Arbeitnehmer-Generation eingezahlt wird: Nach dem sogenannten Generationenvertrag. Beachten Sie, dass die Einzahlung in die gesetzliche Rentenversicherung je nach Beruf nicht verpflichtend ist.
Da die Menschen in Deutschland immer älter werden und die Zahl der Erwerbstätigen abnimmt, könnte die Rente im Jahr 2030 nur noch etwa 40 % des letzten Gehalts ausmachen. Gegenwärtig beträgt sie in Deutschland etwa 48 %. Es ist leicht ersichtlich, dass das nicht ausreicht, um ein sorgenfreies Leben im Ruhestand zu führen. Deshalb sollten Sie auch andere Anlagemöglichkeiten in Betracht ziehen.
betriebliche Altersvorsorge
Als Arbeitnehmer können Sie sich für die betriebliche Altersvorsorge entscheiden, die nicht verpflichtend ist. Bei dieser Option handelt es sich im Wesentlichen um eine betriebliche Altersvorsorge, die allerdings kostet. Für viele ist die betriebliche Altersvorsorge nur dann sinnvoll, wenn Ihr Arbeitgeber 50 % der Beiträge übernimmt und Sie selbst 50 % einzahlen.
Vermögenswirksame Leistungen
Sie und Ihr Arbeitgeber können gemeinsam entscheiden, in Ihre "vermögenswirksamen Leistungen" einzuzahlen. Diese zusätzlichen Zahlungen müssen allerdings in irgendeiner Form investiert werden, z.B. in einen Bausparvertrag, eine Hypothek oder eine andere Investition.
Beamtenpension und Möglichkeiten für Beamte
Für Beamte gibt es eine eigene Versorgung, die sogenannte Beamtenversorgung, welche die gesetzliche Rentenversicherung und die betriebliche Altersvorsorge für diese Berufsgruppe ersetzt.
Abhängig von Ihrer Besoldungsgruppe und der Dauer Ihrer Dienstzeit erhöht sich Ihr Ruhegehalt. Das höchste Ruhegehalt, das ein Beamter erhalten kann, beträgt 71 % des letzten Bruttogehalts, wenn er mindestens 40 Jahre im öffentlichen Dienst tätig war.
Ihre finanzielle Sicherheit im Ruhestand ist als Beamter somit schon gut abgesichert. Dennoch ist es nicht unüblich, zusätzlich für eine private Altersvorsorge oder einen privaten Rentenplan zu sorgen.
private Altersvorsorge
Ob Sie nun angestellt, selbstständig oder verbeamtet sind: Es ist sinnvoll, Ihre Altersvorsorge zu ergänzen. Eine Investition in die private Altersvorsorge sollte deshalb erwogen werden. Diese basiert nicht auf dem Umlageprinzip, sondern auf dem Kapitaldeckungsverfahren. Die private Altersvorsorge kann in die staatlich geförderte und die staatlich nicht geförderte private Altersvorsorge unterteilt werden.
Optionen der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge
Riester
Die Riester-Rente ist eine staatlich geförderte, aber privat verwaltete Altersvorsorge, was weniger Flexibilität, aber auch weniger Planung aus Sicht des Arbeitnehmers bedeutet. Sie ist für festangestellte Arbeitnehmer gedacht.
Rürup
Die Rürup-Rente ist vor allem für Selbstständige gedacht, die ansonsten in keine Rentenpläne einzahlen.
Sowohl bei der Rürup- als auch bei der Riester-Rente können Sie beim Einzahlen der Beiträge viele Steuern sparen. Sie müssten allerdings Steuern zahlen, sobald Sie die Rente erhalten.
ETF-gebundene Lebensversicherung
Sie können mit einer ETF-gebundenen Lebensversicherung eine hohe Rendite erzielen, aber die Verwaltungskosten sind in der Regel sehr hoch.
Optionen der privaten Altersvorsorge, die nicht vom Staat gefördert wird
Fonds
Anstatt direkt in eine Aktie zu investieren, halten es viele Deutsche für sicherer, in einen größeren Fonds einzuzahlen. Ihre Ersparnisse werden im Fall eines Fonds breit angelegt. In den meisten Fällen wird damit das Risiko geringer und die Rendite höher. Am besten informieren Sie sich über die Fonds, in die Sie investieren wollen, vorher gründlich.
ETF-Sparplan
Ein ETF-Sparplan (Exchanged Traded Funds, börsengehandelte Fonds - Sparplan), ist eine flexible und gleichzeitig sichere Möglichkeit, Ihr Geld für den Ruhestand anzulegen. Beim ETF-Sparplan entscheiden sich viele für eine Anlagedauer von mindestens 10-15 Jahren, um eine hohe Rendite zu erzielen.
Der Nachteil ist, dass Sie Ihren ETF-Sparplan noch im Ruhestand verwalten müssen, um das Geld auf smarte Weise zu entnehmen. Der ETF-Sparplan ist allerdings flexibel: Sie können auch vor Ruhestand immer auf das Geld zugreifen, beispielsweise im Fall unvorhergesehener Ausgaben. Ein großes Plus.
Immobilien
Vielleicht haben Sie bereits eine Immobilie, oder Sie sind daran interessiert, eine zu kaufen. Insbesondere in Anbetracht ihrer späteren Alterssicherung. Eine Immobilie ist eine gute Möglichkeit, Ihr Geld auf sichere Art anzulegen. Sie können im Ruhestand darin wohnen, oder Sie können mit Ihrer Immobilie Geld verdienen, wenn Sie sie vermieten. Eine Immobilie sollte auf keinen Fall die einzige private Altersvorsorge sein, aber sie ist eine gute Basis.
private Rentenversicherung
Das Gute an einer privaten Rentenversicherung ist, dass Sie damit zusätzlich versichert sind. Sie deckt außerdem das Langlebigkeitsrisiko ab. Das bedeutet, Sie erhalten einen sicheren Geldbetrag, egal wie lange Sie leben. Die Verträge sind flexibel, aber die Rente ist steuerpflichtig.
Ihre nächsten Schritte
Machen Sie eine Bestandsaufnahme hinsichtlich Ihrer Altersvorsorge und erstellen Sie eine Checkliste der Maßnahmen, die Sie ergreifen müssen. Informieren Sie sich über Ihre Möglichkeiten als Arbeitnehmer, Selbständiger oder Beamter und finden Sie heraus, in welche Säulen Ihr Geld bereits fließt. Stellen Sie sich dann auf Ihre gewünschte Rente im Ruhestand ein, indem Sie einen privaten Finanzplan aufstellen, der Ihren Bedürfnissen und Ihrer Situation entspricht.
Informieren Sie sich über die Möglichkeiten der Altersvorsorge in Deutschland, vergleichen Sie Pläne und Versicherungsgesellschaften. So erreichen Sie Ihre finanzielle Sicherheit, wenn Sie schlussendlich in Rente gehen. Bedenken Sie außerdem für Ihre Planung, so früh wie möglich mit einer privaten Altersvorsorge zu beginnen. Ihre Investition wächst schließlich - Je früher Sie damit beginnen, umso mehr Geld werden Sie in Ihrem Ruhestand zur Verfügung haben.